2. Dezember 2016

Der feine Unterschied zwischen Polyethylen- und Polyolefinfolie

Berate ich meine Kunden zu verschiedenen Arten von Schrumpffolien, kommen wir regelmäßig auf die Vor- und Nachteile verschiedener Folientypen zu sprechen; meist geht es dabei um den Vergleich von PE- und POF-Folie. Hierzu betrachten wir im Folgenden die chemischen Bestandteile beider Folien und nehmen beide Folienarten etwas genauer unter die Lupe.

Polyethylen: Günstig und chemikalienbeständig

PE-Schrumpffolie
PE-Schrumpffolie schrumpft nicht faltenfrei, ist aber in hohen Stärken verfügbar. Daher eignet sie sich hauptsächlich für Transportverpackungen.

Chemisch gesehen, ist Polyethylen sehr einfach gestrickt, es besteht aus langen CH2-Molekülketten. Daher hat es eine geringe Dichte und Festigkeit. Je nach Dichte unterscheidet man vier Arten, von LDPE/PE-LD (low density Polyethylene) bis hin zu UHMVPE/PE-UHMV (ultra high molecular weigh Polyethylene).

Polyethylen weist ein ausgezeichnetes Gleitreibeverhalten auf, denn es verfügt über eine antiadhäsive, wachsartige Oberfläche. Für die Verarbeitung zu Kunststofffolien eignet es sich hervorragend, denn es ist

  • einfach zu verarbeiten,
  • günstig in der Herstellung,
  • sehr dehnbar und zäh,
  • beständig gegen Chemikalien.

Geeignet für Transportverpackungen

Sein gutes Schrumpfverhalten macht den Kunststoff für die Verarbeitung zu Schrumpffolien so wertvoll: Statt bei höheren Temperaturen einfach zu verschmoren, zieht sich die Halbschlauchfolie im Schrumpftunnel zusammen und legt sich um das zu verpackende Produkt. Weil PE nur über eine begrenzte Reißfestigkeit verfügt, ist die Folienstärke jedoch vergleichsweise hoch. Die direkte Gegenüberstellung gängiger Folienstärken für Verpackungen verdeutlicht dies:

Polyolefin-Feinschrumpffolie Polyethylen-Schrumpffolie
12 µm 20 µm
15 µm 25 µm
19 µm 30 µm
25 µm 40 µm
38 µm 65 µm

Dabei handelt es sich lediglich um Richtwerte, die von Material und Material (und von Fall zu Fall) unterschiedlich ausfallen können. Grundsätzlich gilt jedoch: Bis zu einer Stärke von 65 µm PE lässt sich auch mit (deutlich dünnerem) POF realisieren; ab dieser Stärke jedoch ist Polyethylen alternativlos. Deshalb eignet sich PE-Folie in erster Linie für stabile Transportverpackungen – für ansprechende Verkaufs- oder Geschenkverpackungen ist POF die bessere Wahl.

 

Polyolefin: Hochglanzoptik trifft Reißfestigkeit

Polyolefin-Feinschrumpffolie
Polyolefin-Schrumpffolie schrumpft faltenfrei und legt sich wie eine zweite Haut um das Produkt. Zudem sind geringere Stärken notwendig, was Material spart.

Polyolefinfolie ist ein Verbundmaterial aus PE- und Polypropylen-Folie (PP); daraus ergibt sich eine Folie mit besonderen Eigenschaften, die ich bereits in einem früheren Blogartikel näher beschrieben habe: Sie besteht aus 3 bzw. 5 Folienlagen; die äußeren Schichten bestehen jeweils aus PP, der Kern aus PE.

Polypropylen verstärkt Glanz und Reißfestigkeit

Weil PP und PE gleichermaßen schweißbar sind, gehen sie bei der Folienherstellung eine dauerhafte und feste Verbindung ein. Die Polypropylen-Oberfläche sorgt für die Hochglanzoptik, die POF zum idealen Verpackungsmaterial für Verkaufsverpackungen macht – allerdings kommt sich nicht nur aus optischen Gesichtspunkten zum Einsatz: Die Feinschrumpffolie

  • erhöht die Reißfestigkeit (und dadurch die Verarbeitungsgeschwindigkeit),
  • verändert das Schrumpfverhalten (für geringere Schrumpftemperaturen),
  • bildet eine Barriereschicht (zur Regulierung der Luftzirkulation).

Genau wie Polyethylen ist auch dieser Kunststoff lebensmittelecht und vollständig recyclingfähig; auch in puncto Umweltverträglichkeit und Eignung für Lebensmittelverpackungen stehen POF-Folien den handelsüblichen PE-Folien in nichts nach.

Polyolefin ist ungeschlagener „Testsieger“

Als Verbundstoffe vereinen Polyolefinfolien sozusagen das Beste aus zwei Welten – und dies macht sich in der Verpackungspraxis gleich anhand mehrerer Faktoren bemerkbar:

  • die geringere Schrumpftemperatur spart Energie,
  • die Verarbeitungsgeschwindigkeit steigt,
  • sie ist mit jeder handelsüblichen Schrumpfmaschine kombinierbar,
  • der Folienverbrauch sinkt spürbar.

Daraus ergibt sich oftmals ein günstigerer Verpackungspreis, der jedoch von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt (die Einzelheiten erspare ich Ihnen an dieser Stelle). Ganz zu schweigen davon, dass POF eine sehr viel attraktivere Schrumpfverpackung ergibt, spricht übrigens auch die kurze Lieferzeit für Feinschrumpffolie: Sie ist jederzeit innerhalb von 48 Stunden ohne Mindestabnahmemenge (ab 1 Rolle) lieferbar!

Aus all diesen Gründen empfehle ich unseren Kunden so gut wie immer Polyolefin – und erhalte dazu auch regelmäßig positive Rückmeldungen, da sich die hochwertigere Kunststofffolie im Praxistest der Unternehmen bestens schlägt – und damit klarer Textsieger ist gegenüber der einfacheren PE-Schrumpffolie.

Beste Grüße,

Ihr Mathias Weileder